Wie man mit virtuellen Bäumchen den Schweinehund bekämpft

Jeder von uns kennt es: Man möchte – oder besser – man müsste lernen, doch der Schweinehund ist groß und das Smartphone ist eine willkommene Ablenkung.
Statt zu büffeln, scrollen wir durch den neuesten Feed auf Facebook, Instagram, Snapchat, Pinterest, Youtube… Die Liste ist endlos und wenn man alles Neue gesehen hat, schaut man sich das Alte halt nochmal an. Alles ist besser, als zu lernen.
Die App „Forest“ verspricht, „das beste Heilmittel für Telefonsucht“ zu sein – das Motto lautet: „Stay focused, be present“.

Das Prinzip ist einfach: Am Anfang einer Lern-Session pflanzt man in der App ein kleines virtuelles Pflänzchen, das innerhalb einer bestimmten Zeitspanne – in der App läuft ein Timer mit – zu einem Baum heranwächst. Wird aber der Versuchung nachgegeben, die App zu verlassen, um zum Beispiel Facebook zu checken, stirbt das Bäumchen. Das Gefühl von Verantwortung für die Pflanze und deren Wachstumsprozess soll einen davon abhalten, andere, ablenkende Apps zu nutzen.
Ist ein Baum ausgewachsen, wird man mit einer bestimmten Anzahl von Münzen belohnt, mit denen man verschiedene andere Pflänzchen kaufen kann. So hat man die Auswahl zwischen blühenden (Kirsch-)Bäumen, Bäumen mit Vogelnest oder Baumhaus und sogar Kakteen. Für die kalte Jahreszeit gibt es sogar zusätzlich eine Winter-Edition.

Im Selbsttest habe ich mir ein Skript vorgenommen und ein Bäumchen gepflanzt.
Ich wollte das Pflänzchen durch unnötige „Facebook-Scrollerei“ tatsächlich nicht töten. Vermutlich, weil das kleine Gewächs so niedlich aussah und ich mich verantwortlich dafür fühlte (ich hätte es selbst nicht geglaubt). Ich wollte schließlich einen ausgewachsenen Baum auf meinem Bildschirm sehen und wenn auch nur, um euch darüber berichten zu können.
Nach kurzer Zeit stolperte ich im Skript über einen Begriff, den ich nicht kannte. Normalerweise google ich dann. Und zwar auf meinem Smartphone – aber da wächst ja der Baum… Ich beschloss, zunächst einfach Abstriche zu machen und bezogen auf den Begriff dumm zu bleiben. Theoretisch hätte ich den Begriff auch am Laptop recherchieren können, aber das ist ja wohl kaum Sinn der App.

Möchte man, während der Baum wächst, die App verlassen, hat man die Möglichkeit, das Bäumchen eigenhändig durch den Button „Give up“ hinzurichten. Weigert man sich, freiwillig aufzugeben, und verlässt die App trotzdem, stirbt das Bäumchen sowieso: „Oops! You can do better next time“, muntert einen die App dann auf.
Nach 25 Minuten hatte ich einen ausgewachsenen Baum, der auf einer Wiese erschien. Pro erfolgreich abgeschlossener Lerneinheit wird der Wiese ein Baum hinzugefügt. Einer Statistik darunter kann man entnehmen, wie viel Zeit man ohne durch das Smartphone verursachte Ablenkung verbracht hat.

Man kann zwar während einer Lern-Session nichts googeln, dennoch motiviert die App, da man bildlich – als Balkendiagramm und als bunt bepflanzte Wiese – sieht, wie viel Zeit man ins Lernen investiert hat. All diejenigen, die also dazu neigen, Mitgefühl und Verantwortung für virtuelle Dinge wie Sims, Tamagotchi oder wie hier für kleine Pflänzchen und Bäume zu entwickeln, wird diese App absolut motivieren, das Smartphone während des Lernens nicht anzurühren.

Verfasserin: Katharina Kollross
Fotografie und Bildbearbeitung: Sandra Hilbert, Kristina Funke

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