Zwischen Grusel und Neugier: stern Crime

Ich gebe es zu: eigentlich bin ich ein ziemlicher Angsthase. Regelmäßig muss ich nachsehen, ob sich unter meinem Bett ein Monster, oder schlimmer: ein Mörder versteckt hat. Und Horrorfilme schaue ich am besten gar nicht; aber wenn, dann nur unter Zwang, in Gesellschaft, mit der Hand vor den Augen.

Trotzdem (oder gerade deswegen?) liebe ich das Magazin stern Crime, das wahre, aufsehenerregende Verbrechen so eindrucksvoll und facettenreich beschreibt, dass einem das Blut in den Adern gefriert. Die Autoren interessieren sich dabei nicht nur für den Mord an sich. Sie fesseln den Leser auch mit der Vorgeschichte und den Motiven des Täters, durchleuchten das Schicksal des Opfers und erzählen, wie das Verbrechen letztlich aufgeklärt wurde. Nicht selten kommen dabei auch Hinterbliebene zu Wort, was das Ganze noch menschlicher, erschreckender und spektakulärer macht. Durch ihre besonderen Abgründe faszinieren mich diese Reportagen jedes Mal aufs Neue und ich habe Gänsehaut bis zum letzten Buchstaben. Dass ich abends nach dem Lesen dann doch etwas länger wachliege, nehme ich gerne in Kauf.

In jedem Heft gibt es auch das sogenannte Spezialisten-Porträt: Ein Interview mit einem Kommissar, einem Experten für Lügen oder, wie in der neuesten Ausgabe: einer Fachfrau für Blut. Aus mit dem bloßen Auge kaum sichtbaren Blutspritzern konstruiert sie Tathergänge und versucht herauszufinden, was geschehen ist. Für Fans von Medical Detectives und Co. dürfte das ein wahrer Volltreffer sein.

Ebenfalls standardmäßig enthalten: Ein prominenter Kriminalfall. Ihr wolltet ja bestimmt immer schon wissen, was Jay-Z oder David Bowie so angestellt haben, oder?

Übrigens: fast hätte es das Magazin nicht in den Verkauf geschafft. Aufgrund mangelnder Anzeigenkunden und der einseitigen Thematik war man zunächst skeptisch, ob sich das Heft am Markt etablieren würde. Doch mittlerweile kaufen jedes Mal mehr als 80.000 Leser die neueste Ausgabe. Außerdem hat stern Crime sogar den silbernen Lead Award 2016 für das Newcomer-Magazin des Jahres erhalten. Interessant zu sehen, dass auch neue Print-Formate im digitalen Zeitalter noch eine Chance haben!

Als Medienmanagement-Studentin interessiere ich mich natürlich nicht nur für den gruseligen Inhalt des Magazins, sondern auch für die Arbeit daran. Ich fände es sehr spannend, eine solche Reportage zu schreiben oder ein Interview mit einem Mordermittler, Gerichtsmediziner oder gar Mörder zu führen – doch stellt sich mir hierbei auch die Frage, was für mich letztlich überwiegen würde: die Neugier? Oder dann doch der Angsthase in mir?!

P.S.: Auf www.stern-crime.de könnt ihr im aktuellen Heft blättern.

Verfasserin: Julia Christl
Fotografie und Bildbearbeitung: Maximilian Pfrang

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